5. September 2014

Marktplatz 2014

Fachtagung zum Thema «Lernen und Wissen teilen zwischen den Generationen: Königsweg Mentoring?»



Impressionen


«Was ergibt sich aus dem Altersunterschied zwischen Mentoren und Mentees?» – mit dieser Frage startete Jessica Schnelle, Projektleiterin der Generationenakademie, die erste Diskussionsrunde. Rund 50 Interessierte und Fachleute nahmen am diesjährigen Marktplatz teil und nutzten die Gelegenheit, Fragestellungen rund um das Zusammenwirken von Generationen in Mentoringprojekten zu beleuchten und gemeinsam zu diskutieren.

Die Diskussionen waren angeregt: Beim Altersunterschied zwischen Mentoren und Mentees seien die Erfahrungswerte der älteren Personen am wichtigsten. Andere nannten die Wechselwirkung – denn auch von den Jüngeren könne man lernen und profitieren. Das Aufeinandertreffen von Welten und die unterschiedliche Vorstellung von Zeit und Werten werfe die Frage auf einen selbst zurück, wo man im Leben stehe. Auch Bernd Schüler, Referent und Gründungsmitglied des Patenschaftsprogramms biffy in Berlin, unterstrich diese Meinung und umschrieb das Mentoring als «wechselwirkenden Lernprozess»: «Der Mentor überträgt nicht einfach sein Wissen – er muss erst seinen Mentee verstehen», folgerte Schüler.

Generationenlernen dank Mentoring?

Doch ist Mentoring überhaupt der «Königsweg», um Lernen und Wissenstransfer zwischen den Generationen zu teilen? Sechs Workshops gingen der Frage auf den Grund. Die Verantwortlichen von sechs Mentoringprojekten präsentierten, wie sich in ihren Vorhaben Menschen unterschiedlicher Generationen begegnen. Diskutiert wurde jeweils, welche Voraussetzungen für Lernen und Wissenstransfer zwischen den Generationen erfüllt sein müssen und inwiefern alle Generationen davon profitieren.

Man war sich einig: Ob Mentoring wirklich der Königsweg sei, kann nicht abschliessend beurteilt werden. Aber es ist sicher ein geeigneter Weg für den Wissenstransfer, gerade auch für Menschen unterschiedlichen Alters. Doch ist gerade in Generationenprojekten die Chance gross, dass eine ganze Reihe von informellen Beziehungen wachsen, die nur teilweise Charakteristika von Mentoring-Tandems enthalten, aber oft wie solche wirken: Wenn über das gemeinsame Schaffen voneinander gelernt wird. Diese Gelegenheit müssen erkannt und genutzt werden, wenn Lernen und Wissenstransfer über Generationengrenzen hinweg angestrebt wird.
Soviel wurde klar: Der Umkehrschluss – dass Mentoring auf Generationenaustausch basiere – ist ist nicht zulässig: Der Altersunterschied zwischen Mentor und Mentee spielt in der Regel keine Rolle und ist keine Bedingung für gute Beziehungen. Mentoring funktioniert auch bei kleinen oder vernachlässigbaren Altersunterschieden, wenn beispielsweise Studierende Jugendliche begleiten.

Wer sitzt beim Tandem vorne – Mentee oder Mentor?

Wichtiger als der Altersunterschied ist die Beziehung und dass man sich auf die andere Person einlassen kann und bereit ist, sich mit Fremdem auseinanderzusetzen. Diese Offenheit ist auf beiden Seiten sehr wichtig. Denn eine Erkenntnis des Marktplatzes zeigt: Mentoren fassen oft ein Ziel ins Auge, auf das sie dann mit ihrem Mentee hinarbeiten. Doch Mentoring ist ein Prozess mit offenem Ausgang. Als Mentor muss man akzeptieren, dass sich dieser Prozess auch in andere, unerwartete Richtungen entwickeln kann. Zudem bestehen auch für Mentoren Risiken: So ist man Lehrperson, Vorbild, Referenz, manchmal Freund oder Freundin, Elternersatz oder gleich alles zusammen. Diese Beziehung kann unter Umständen zu Abhängigkeiten führen und zur Belastung werden.

Doch auch der Mentee trägt Verantwortung: Er muss sich bewusst sein, dass Mentoring Partizipation bedeutet. Ein Mentee steuert selbst und ist sowohl bei der Bestimmung der Richtung wie auch des Tempos, das der Mentoringprozess anschlägt, tonangebend. Vielen Mentees ist dies zu Beginn einer Mentoringbeziehung nicht bewusst. Werden sie gefragt, wer beim Tandem vorne sitze, sagen sie oft, dort habe der Mentor Platz genommen. Doch eigentlich es ist der Mentee, der lenkt.
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