4. September 2015

Marktplatz 2015

Tagung für Fachpersonen und Interessierte zu «Ich teile, also bin ich – Stärkt Teilen den sozialen Zusammenhalt?»



Impressionen



Dank Teilen wird die Welt etwas weniger anonym


Wer teilt, wird gebraucht und gehört dazu. So sind Sharing-Vorhaben nicht nur für Effizienz im Ressourcenverbrauch oder bei der Nutzung von Infrastrukturen und Werkzeugen wichtig, sondern sie leisten auch viel für Beziehungen und soziale Strukturen. Grund genug für die Generationenakademie, um das an Beachtung zunehmende Sharing-Phänomen am Marktplatz 2015 etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Generationenperspektive hilft beim Erkunden des Sharing-Phänomens nur bedingt weiter. Was die Alltagserfahrung zeigt, dass nämlich Teilen über alle Altersgrenzen hinaus attraktiv ist, hat die Forschung bestätigt. Mirjam Hauser, Forscherin bei GIM Suisse AG, präsentierte aktuelle Studien, die aufzeigen dass Jüngere eher bereit sind, persönlich Dinge und Haushaltsgegenstände zu teilen als Ältere. Keine Unterschiede zwischen den Altersgruppen zeigen sich bei der Bereitschaft, Fotos, Essen und Trinken oder Wissen und Erfahrungen zu teilen. Die etwas höhere grundsätzliche Bereitschaft von jüngeren Personen, Dinge zu teilen, dürfte mit der Stellung im Lebenszyklus zusammenhängen: Je nach Lebensphase verändert sich die Einstellung zum Teilen. Ob das durch einen Trend hin zu weniger Besitz verstärkt wird, kann aber nicht eindeutig belegt werden. Klar ist, dass jüngere Leute deutlich mehr aus finanziellen Gründen teilen als ältere Personen.

Seit es arbeitsteilige Gesellschaften gibt, wird verschenkt, geteilt und getauscht. Teilen ist ein alter Mechanismus, der in den letzten fünf Jahren unter dem Label Sharing neuen Glanz erhielt. Dieser Trend zum Teilen, zur gemeinsamen Nutzung, die über das schlichte Vermieten hinaus geht, ist ungebrochen. Warum? Es scheint plausibel, dass ökologische Überlegungen, die immer einfacher zu bedienenden und billigeren Vernetzungstechnologien sowie die Suche nach der eigenen Positionen im sozialen Gefüge dazu beitragen. Kurz: Bewusster, nachhaltiger Konsum gilt immer mehr als Statussymbol. Viele Sharing-Projekte können hier etwas anbieten.

Am Marktplatz vom 4. September 2015 präsentierten sich mehrere Sharing-Projekte in Zürich auf Einladung der Generationenakademie und stellten sich der Diskussion zu ihren Ansätzen und Erfahrungen: CaKi-Bike (Teilen von Cargo-Bikes in Bern), Cook Eat (Mahlzeiten für Menschen verschiedener Generationen), Intergenerator (Teilen von Erfahrungen und Feedback), Obugoo (Wissen und Erfahrungen teilen), Sharely (Objekte mieten und vermieten), Talent-Tauschkreis (Tauschen und Handeln ohne Franken) und Walk-in Closet (Kleider tauschen statt kaufen).

Viele Sharing-Projekte stossen auf grosses Interesse und schaffen es, erfolgreich zu starten. Dort, wo er angestrebt wird, gelingt jedoch der Sprung von der Phase der Pionierinnen und Pioniere mit guten Ideen und viel Engagement zum wirtschaftlichen Erfolg nicht immer auf Anhieb. Wichtig scheint der lokale Bezug im Sinne von «think global, share local» zu sein, sowie die Konzentration auf interessierte (und zahlungsbereite) Zielgruppen, unabhängig von Alter und Einkommen und Geschlecht.

Aus vielen Schweizer Städten ist immer wieder von Initiativen zu vernehmen, welche etwas ganz Spezielles teilen wollen: Das Dach über dem Kopf. Hier werden noch viele Erfahrungen ausgewertet werden müssen, insbesondere, wenn es um generationenübergreifendes Zusammenwohnen geht. Aber das wird sich lohnen. Das grösste Potenzial für attraktive Sharing-Projekte liegt im dichten sozialen Nahraum, im städtischen Quartier. Also dort, wo der soziale Kitt für das Wohlbefinden von besonders grosser Bedeutung ist. Häuser sind wichtig und attraktiv, aber: Für viele Menschen ist Zugehörigkeit und Gemeinschaft vielleicht mit vielfältigen, einfachen und niederschwelligen Sharing-Vorhaben besser zu erreichen.
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